Im Rahmen einer Kampagne des "Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK)" wurden mittels eines Videopodcasts verschiedene Botschaften über Social-Media-Kanäle, insbesondere YouTube, verbreitet. In kurzen Interviewsequenzen mit jungen Menschen, die von Gewalt betroffen waren, sowie mit Expert*innen wurden verschiedene Themenfelder besprochen und konkrete Handlungsempfehlungen für Betroffene gegeben. In Kooperation mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat Professor Thomsen die Wirksamkeit verschiedener Podcast-Videos mit eigens dafür konzipierten Experimenten kausal im Hinblick auf Wissen, Einstellung und Handlungsabsichten evaluiert. Hierzu wurden verschiedene Treatment- und eine Kontrollgruppe zufällig ausgewählt und direkt im Anschluss sowie einige Wochen später befragt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Videosequenzen zu psychischer Gewalt das Wissen über psychische Gewalt signifikant erhöhen. Gezielte Inhalte können wirksam ein Bewusstsein für wenig (an)erkannte Gewaltformen schaffen. Besonders bei subtileren Gewaltformen (wie Kontrolle und Manipulation) konnte die Kampagne jungen Menschen helfen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen. Zudem deutete sich eine Einstellungsveränderung in Bezug auf die Akzeptanz psychischer Gewalt in Folge der Videokampagne an. Die Videosequenzen haben zudem zur formalen Problemlösung bei Partnerschaftsgewalt motiviert, indem sie zum Dokumentieren von Vorfällen oder zur Kontaktaufnahme mit Beratungsstellen und der Polizei raten. Deutlich formulierte Handlungsaufforderungen („Such dir Hilfe!“, „Wende dich an die Polizei!“) scheinen besonders wirksam zu sein.
Der Factsheet mit den zentralen Ergebnissen kann hier heruntergeladen werden.
Seddig, D., L. Bartz, F. Rühs, T. Bliesener, S. Thomsen & D. Schauten (2025): Prävention von Partnerschaftsgewalt über Social Media: Eine Evaluationsstudie, open source repository, https://osf.io/8q6ht.