Das Center für Wirtschaftspolitische Studien (CWS) des Instituts für Wirtschaftspolitik hat im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) die zukünftige Entwicklung der vertragsärztlichen Versorgung in Niedersachsen bis zum Jahr 2040 untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden am 8. Juli 2026 von der KVN und Prof. Dr. Stephan L. Thomsen im Rahmen der Landespressekonferenz Niedersachsen vorgestellt.
Die Analyse verbindet kleinräumige Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung und des regionalen Versorgungsbedarfs mit einer modellgestützten Fortschreibung der verfügbaren ärztlichen Versorgungskapazitäten. Berücksichtigt werden unter anderem die Altersstruktur der Bevölkerung und der Ärzteschaft, altersbedingte Abgänge, Veränderungen des Tätigkeitsumfangs sowie unterschiedliche Annahmen über zukünftige Zugänge in die vertragsärztliche Versorgung.
Die Ergebnisse verdeutlichen die hohe Bedeutung älterer Ärztinnen und Ärzte für die gegenwärtige Versorgung. Rund zehn Prozent der ärztlichen Versorgungskapazität werden bereits heute von Ärztinnen und Ärzten im Alter von mindestens 68 Jahren erbracht. In einzelnen hausärztlichen Planungsbereichen liegt der entsprechende Anteil sogar zwischen 30 und 42 Prozent. Ohne die Tätigkeit dieser Altersgruppe wäre die Versorgung insbesondere in einigen ländlichen Regionen bereits heute deutlich angespannter.
Für die zukünftige Entwicklung zeigt die Studie, dass neben einem möglichen Rückgang der insgesamt verfügbaren ärztlichen Kapazitäten vor allem deren räumliche Verteilung eine zentrale Herausforderung darstellt. Bereits gegenwärtig bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Während einzelne Planungsbereiche rechnerisch gut oder überdurchschnittlich versorgt sind, weisen andere – insbesondere ländlich geprägte Regionen – deutlich ungünstigere Versorgungssituationen und hohe Nachbesetzungsbedarfe auf. Ein Anstieg der landesweiten Ärztezahl allein gewährleistet daher noch keine flächendeckende Versorgung, sofern neue Ärztinnen und Ärzte weiterhin überwiegend in bereits gut versorgte Regionen eintreten.
Untersucht wurde zudem die potenzielle Wirkung der in Niedersachsen eingeführten Landarztquote. Die Modellrechnungen zeigen, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der hausärztlichen Versorgung leisten kann. Voraussetzung ist jedoch, dass die verfügbaren Ärztinnen und Ärzte gezielt denjenigen Regionen zugewiesen werden, in denen sich die größten zukünftigen Versorgungsrisiken abzeichnen. Eine regelmäßig aktualisierte, kleinräumige Vorausberechnung kann hierfür eine zentrale Entscheidungsgrundlage bilden.
Der vollständige Bericht wurde von der KVN veröffentlicht und ist unter dem nachstehenden Link abrufbar: www.kvn.de/media/Mitglieder/Publikationen/Arztzahlprognose+2040.pdf
Thomsen, S., Bruns, D., Meier, D. & Wolf, F. (2026): Ärztebedarf in Niedersachsen 2040 - Modellrechnungen zur Sicherstellung einer flächendeckenden vertragsärztlichen Versorgung im Gebiet der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Studie im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Hannover.